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Artur Vestberg: Über die biologische Bedeutung der krankhaften Erscheinungen
4 NORD. MED. ARK., 1904, AFD. II, N:R 9. — ARTUR VESTBERG.
zu beständioen. o-eschweige deun zu neueu und besseren Eio-enschaften bei der Xachkommenscbaft Anlass geben. Die ki-aokhaften Störunijen sollten demnach nur rein zufällio- durch o-ewisse ausserhalb des Oriranisnius liegende Bedino-uno^en entstånden seiu, und ihr Fortbestånd sollte nur auf einer ständigen Wiederholunw' dieser zufälligen äusseren Bedingun2:en beruben. Ein dauerndes Gepräge vermöchten sie den Generationen nicht aufzudriickeu, die ihrem aussondernden Einfluss entgaugen sind.
Wenn die krankhafte Störung unvermeidlicb zum Tode des kranken Individuums fiibrte, bevor es sich fortzupflanzen vermocht hat, öder zum Erlöschen seiner Nachkommenschaft naeh verhältnismässig wenigeu Generationen, so Aväre gegen diese Auffassuno- nichts einzmvenden. Aber das ist keineswegs der Fall. Krankheiten können auch mit vollständijier Genesunar enden, ja sogar in gewissen Fallen mit Erwerbung neuer Eigenschaften — Immunität gegen erneuten Angriff — , die es dera Individuum nur um so mehr ermöglichen. den Konkurrenzkampf zu bestehen und eigene Nachkommen zu erzeugen. Diese erworbene Immunität vererbt sich freilich nicht unmittelbar, so dass bereits dadurch eine bleibende neue Eigenschaft fiir das Geschlecht gewonneu wäre. So handgreiflich ist iibrigens niemals die Entstehung ucuer. konstanter Eigenschaften durch die Evolution. Aber die individuellen Yorziige, die bereits vor der Krankheit vorhanden waren und durch die diese gliicklich iiberwunden wurde, können soldier Art sein, dass sie sich vererben. Die Möglichkeit scheint also nicht ausgeschlossen, dass bei wiederholter Auslese durch Cberstehung derselben Krankheit bei den Nachkommen in einer Reihe von Gliedern die speziell gegen die Krankheitsursache nutzlichen Eigenschaften sich zu einer positiven Anpassuug gegen diese Krankheitsursache öder jjegen die Schiiden, die sie dem Orjjanismus zufiigt, summieren. Die krankhaften Erscheinungen wijrden dann — ab<;esehen von ihrer Kolle als negrativer, auesondernd(.'r Faktor, die natiirlich unbestreitbar ist — aucii eine fiir die P]nt\vicklung bestimmende Rolle spielen, nämlich die Äuslösioiff chicr nUtzlicltot ixdliologischvii Bvaldion bewirken, sie wurden mit anderen AVorton eine solche. der Entwicklung fähige Funktion in sich schliessen. Die Krankheitserscheinungen wiirden auch cniijtositivc Scitc der Kvolufiou, rinc patholof/ischc Anpassuug reprilsentiercu.
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