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Artur Vestberg: Über die biologische Bedeutung der krankhaften Erscheinungen
DIE BIOLOG, BEDEUTUXG DER KRANKHAFTEX ERSCHEIXtJNGEN. 9
nungen ini allgemeinen unter Gesich tspuukte der Evolutionslebre zu stellen, existiert meines Wissens nicht.
Andererseits besteht bei einer Reihe von Forschern die Tendenz, zwar nicbt den Nutzen gewisser Einzelheiten bei diesen pathologischen Prozessen in Abrede zu stellen, aber ihnen, als Ganzes betrachtet, die Bedeutung niUzlicher und zweckmässiger Reaktionen abzusprechen. ]\Ian liebt mit Eecht hervor, dass die Entziindung und das Fieber an und fiir sich stets dem Kurper Schaden zufiigen, ja dass sie neue Verwicklungen herbeifiihren können, die geradezu zu Todesursachen werden. Dieser Einwand reicht aber nur bin, diesen Erscheinungen eine absichfJiche, wissentlich geplante Zweckmässigkeit abzusprecben, denn in idealer Weise erreicben sie ihr Ziel allerdings nicbt. Gegen einen gewissen Grad von hedingter, l^onsekntiver Zweckmässigkeit infolge von Anpassung spriclit die Unvollkomnienbeit ihrer Wirkung nicbt. Diese Unvollkommenheit zeigt bloss, dass die Anpassung unvollständig ist. Die reaktiven Schutzerscbeinungen in einem Krankheitsprozess sind un v olik om men sowobl darin, dass sie nicht immer die Scbädlichkeiten zu iiberwinden vermögen, durcb die sie hervorgerufen wurden, als aucli darin^ dass sie im allgemeinen neue Scbädlichkeiten mit sich fiihren, die iiberwunden werden miissen. Darin liegt das Patbologische bei ihnen.
Es ist vielleicbt nicht von so grosser prinzipieller Bedeutung, wie man quantitativ sich die Rollenverteilung in einem bestimmten Krankbeitsprozess, wie die Entziindung, zwischen den beiden Arten in ihr entbaltener Momente, der Läsionen und Reaktionen, denkt. Hauptsache ist das Zugeständnis, dass ein Teil dessen, was in der Kranklieit geschieht, zum Xutzen des Organismus und durcb dessen eio;ene Reaktion geschiebt, und dass demnach der Organismus gegeniiber der Krankheitsursache und ihren unmittelbaren Wirkungen schlechter gestellt wäre, wenn er nicht auf diese AVeise reagieren könnte. Gibt es eine Reihe solcher fur das Individuum niitzlicher Glieder in einem bestimmten Krankheitsprozess, so ist es schwer einzusehen, weshalb diese nicht eine mitbestimmende Rolle bei der Auslese, die die Krankheit ausiibt, spielen, und daher ira Laufe der Zeit mehr und mehr vorberrschend werden sollten.
Das Vermögen der niitzlichen Reaktionen, die in krankhaften Prozessen enthalten sind, ist wohl einerseits als das
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