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Nordiskt medicinskt arkiv 1904

Originalsida 389
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Artur Vestberg: Über die biologische Bedeutung der krankhaften Erscheinungen

DIE -BIOLOG. BEDEUTUNG DER KRAXKHAFTEX ERSCHEINUXGEX. 11

Schutzvorrichtung des Organismus zii erblicken. Unser fast vollständiser Mangel an Einbliek in die hervorrufenden Ursachen der Geschwulstbildung raacht gegenwärtig jede Diskussion iiber ihren biologischen Wert unmöglich. Im Hiublick auf die weitgehenden Verschiedenheiten zwischen den einzelnen Geschwulstformen ist es kaum anzunehmen, dass ihnen eine völlis: einheitliche Bedeutuns; zukommen sollte. Indessen diirfte es nicht ganz auszuschliessen sein, dass wenigstens einige, besonders die bösartigen, niöglicherweise Ausdrticke einer dem Ansatz nach niitzliclien, wenn auch dem Effekt nach hauptsächlich verfehlten Reaktion gegen ein schädliches Agens sind (welch letzterem daher nicht notwendig parasitäre Natur zugeschrieben zu Averden braucht). Man kOnnte sich vielleicht denken, dass in der ubertriebenen Zellenvermehrung niöglicherweise ein pathologisches Seitenstiick zu der auf anderen Gebieten der Evolution beobachteten Erschcinung vorliegt, dass eine urspriinglich niitzliche und daher arterhaltende Eigenschaft schliesslich in schädliche Ubertreibungen umschlägt. Man hat diese mit der Selektionslehre so schwer vereinbare Beobachtung (wofiir u. a. die hinderliche Geweihkrone des Hirsches, die ubertriebene Körpermasse des Elephanten als Beispiele angefiihrt werden) durch die Annahme zu erklären gesucht, dass eine durch die Auslese länge begiinstigte Variationsrichtung schliesslich trotz der Auslese eingehalten werden könnte.^)

Die Frage aber, ob die Geschwulstbildung und andere pathologische Erscheinungen irgendwie als Eesultate einer Au-

M Ausser der phylogenetischen Anpassiini;, ilie in dieseiii Aufsatz haupts-ächlich in Betracht komrat, hat O. Israel besonders die cytogenetische Anpassung der Zellen (itn iudividuellen Leben des Organisuius) — und zwar nicht von dem Gesichtspunkte geleitet. dass in der Aupassims; etwas fiir den Organisnius Xiitzliehes liegeu köune — zur Erklärung der Pathogenese und der Biologie der Geschwulste hervorsehohen. In mehreren Aufsätzen (Berliner Klin. Wochenschr. 1900; Arch. f. Klin. Chirurgie Bd 67. 1902; Virchows Arch. Bd 172, 1903), die mir zur Zeit meiues Vortrags uoch unbekanut waren, hat I. mit Scharfsinn und Konsequenz die Anschauuugen der Descendenzlehre auf dieses Gebiet bezogen. I. sieht in der Geschwulstbildung eine Reaktion des Organismus gegen irgend welche fortdanerude Agentien. Durch diese wird eine audauernde Zellenvermehrung ausgelöst, aus der, besonders bei die Variation der Zellen begiinstigendeu Yerhältnissen (wie embrvonalen und erworbeneu Dystopienl, durch fortgesetzte Auswahl der fortptlanzuugstiichtigsten Zelliudividuen ueue Zelleustämme hervorgeheu, die zu einscitiger Selbstemährungsfähigkeit und Fruchtbarkeit angeziichtet worden sind und somit fiir das selbständige Leben als Geschwiilstzelleu angepasst sind.

So fruchtbar diese. noch nicht nach Gebiihr in der onkologischen Literatur beriicksichtigte, cytogenetische Aupassungstheorie tur die Geschwulstlehre zu werden verspricht, sie hat" doch nötig, durch phylogenetische Betrachtimgen ergänzt zu werden, was auch I. wiederholt hervorhebt.

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