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Nordiskt medicinskt arkiv 1904

Originalsida 393
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Artur Vestberg: Über die biologische Bedeutung der krankhaften Erscheinungen

DIE BIOLOG. BEDEUTCXG DER KRANKHAFTEX ERSCHEIXUXGEX. 15

nornialen Verlauf der Lebensprozesse trotz der Verändeiung der äusseren Bedingungen ermOglicht. So verhält es sich bei den warmbliitigen Tieren gegeniiber äusseren Temperaturverändcrungen. Das Resultat der Anpassung ist in diesem Fall ein RecjHlicrHngsapparat, der innerhalb gewisser Grenzen automatiscli funktioniert und den Organismus nach dem jeweilig herrschenden Grade eines äusseren Einflusses einstellt. Ein anderes Beispiel fur diese Anpassungsform ist die Einstellung des Atmungsmechanismus je nach verschiedenem Sauerstotfdruck in der eingeatmeten Luft. Ich glaube, die Physiologie kennt nianciie solche Regulierungsvorrichtungen des Or^ranismus gegeniiber Veränderuugen der äusseren Bedingungen.

In beiden Fallen könnte man von einer gewissen Anpassunf/sbreifc beim Organismus gegenuber jeder besonderen Einflussart reden, einer Anpassungsbreite, die natiirlich individuell durch Trainieruno; vermerhrt werden känn öder umjyekehrt.

Indessen hat die Funktion dieser Einstellungsapparate und die Unempfindlichkeit in anderen Fallen gegenuber den Bedingungsänderuugen ihre Grenzen. Extrem tiefe und extrem hohe Aussentemperaturen wirken sowohl auf das warmbliitige wie auf das kaltbliUige Tier schädlich. Der Regulierungsmechanismus — v,o er vorhanden ist — kommt gewissermassen in Unordnung öder versagt ganz, und der Lebensprozess kommt mehr öder weniger aus seinem gewöhnlichen Geleise, es treten krankhafte Störungen ein. Die Intensitätsgrade der äusseren Einfliisse, die ausserhalb der Grenzen der physiologischen Anpassung, ausserhalb der >Anpassungsbreite», liegen, wirken als KranliheitsaysachcH. Dass diese Anpassungsgrenzen individuell verschieden liegen, zeigt sich in individueller Disposition bezw. ImmHuität gegenuber (raässigeren Graden der) entsijrechenden Krankheitsursachen.

Alle äusseren Krankheitsursachen, wie Sauerstoifmangel, Inanition, Hitze, Kälte, Traumen, Gifte, pathogene Bakterien u. s. w., diirften von diesem Gesichtspunkt aus zu betrachten sein, d. h. als dem Grad öder teilweise der Art nach ausseriialb des Gebietes der äusseren Einfliisse liegend, denen der Organismus sich physiologisch angepasst hat. Was die ^^^- neren Krankheitsursachen betrifft, so sind sie wohl als organische Fehler in der Anpassung selbst anzusehen, als exzeptionelle Unzulängilchkeit derselben nach gewissen Richtungen hin, wofern sie nicht von derselben Natur sind wie

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