Sida 502
Tandskador vid förvärvad syfilis
12 NORD. MED. ARK., 1895, N:r 16. — EDVARD WELANDEK.
habe ich neulich einen Mann gesehen, der an den beiden oberen Mittelschneidezähnen hubsche halbmondförmige Einkerhungen hatte, in dessen Familie sich aber sicher keine Syphilis findet. Dieser Mann hatte in seiner Kindheit an schwerer Rachitis gelitten und sich im Alter von 16 — 17 Jahren Syphilis zugezogen. Hier fanden sich zwar halbmondförmige Einkerbungen an den Schneidezähnen, es fehlten aber die iibrigen Eigenschaften, welche die charakteristischen HoTCHlNSON'schen Zähne zeigen. Dazu fanden sich andere Zahnanomalien, die alle sicher in der von diesem Manne in seiner Kindheit durchgemachten Rachitis ihren Grund hatten.
Sollte ich es nun auf Grund dieses Exposés versuchen einige Schlusse zu ziehen, so scheinen mir nur folgende Berechtigung zu haben:
1) Fur hereditäre Syphilis völlig charakteristische (pathognomische) Zahnveränderungen giebt es nicht.
2) Typische HuTCHlNSON'sche Zähne sowie deutliche halbmondförmige Einkerbungen an den oberen Mittelschneidezähnen zusammen mit solchen Einkerbungen in den iibrigen Schneidezähnen öder den Eckzähnen sind an und fiir sich eine kraftige Stutze fur die Vermuthung dass der Träger dieser Zähne an hereditärer Syphilis gelitten hat. Wahrscheinlich lässt dieses sich auch von FoURNlERs »dent courte en plateaus sägen.
3) Andere Zahnerosionen und Zahnanomalien beweisen in Bezug auf hereditäre Syphilis an und fiir sich nichts, können aber unseren Verdacht, dass diese Krankheit sich vorgefunden hat, mehr öder minder kraftig stiitzen, sobald auch andere Veränderungen, z. B. noch vorhandene Flecken in der Cornea, Veränderungen im Knochensysteine u. s. w. auf die Wahrscheinlichkeit hindeuten, dass dieses der Fall gewesen ist.
Auch wenn diese Zahnanomalien also nicht die grosse Bedeutung haben, die man ihnen von einigen Seiten hat beilegen wollen, so ist es doch entschieden unrichtig, ihnen, wie man von anderen Seiten gethan hat, alle Bedeutung abzusprechen. Mitunter können sie uns an und fur sich, öfter aber doch im Verein mit anderen Veränderungen bei der Beurtheilung von dunklen, schwer zu deutenden Fallen, wo uns keine Anamnese zu Gebote steht, sehr gute Winke und voll berechtigte Grunde geben, eine kraftige antisyphilitische Therapie in Anwendung
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