Sida 499
E. Koch
NORD. MED. ARKIV. 1905. Afd. II (fan medicin i. Haft. 4. Nr 13.
Uber den derzeitigen Stånd der Tuberkulosebekämpfung*).
Von E. KOCH
Noch vor zwanzig Jahren wurde die Tuberkulose, selbst in ihrer gefährlichsten Form, der Lungenschwindsucht. nicht fur ansteckeud gehalten. Durch die Arbeiten von Villemin und die experimentellen Untersuchungen von Cohnheim und SaL0M0NSEN waren allerdings schon gewisse Anhaltspunkte gegeben, dass diese Auffassung eine irrige sei. Aber erst durch die Entdeckung des Tuberkelbazillus wurde die Atiologie der Tuberkulose auf eine sichere Grundlage gestelit und die Ubereeugung gewonnen. dass dieselbe eine parasitäre, d. h. eine ansteckende, aber aueh vermeidbare Krankheit ist.
Schon bei den ersten Mitteilungen iiber die Atiologie der Tuberkulose habe ich auf die Gefahren hingewiesen, welche durch die Verbreitung der bazillenhaltigen Absonderungen der Schwindsiichtigen .entstehen und habe dazu aufgefordert, prophvlaktische Massregeln gegen die Seuche zu ergreifen. Aber meine Worte sind unbeachtet geblieben. Es war eben noch zu frub, und sie konnten deswegen noch keinem vollen Verkåndnis begegnen. Es ging damit wie bei so vielen ähnlichen Gelegenheiten in der Medizin, wo es auch langer Zeit bedurft hat. ehe alte Vorurteile uberwunden und die neuen Tatsachen von den Arzten als richtig anerkannt wurden.
Aber ganz allmåhlig hat sich dann die Erkenntnis von der ansteckenden Natur der Tuberkulose verbreitet und immer tiefere Wurzeln gefasst, und je tuehr die Uberzeugung von der Gefährlirhkeit der Tuberkulose sich Bahn brach. um so mehr
) XOBEL-Vortrag, am 12. Dezember 1905 zu Stockholm gehalten, der Redaction am 30. Dez. zngegnngen.
XorJ. med. arkiv, 1905. Afd. II. X.r Vi. \
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