Tillbaka Read Runeberg

Johan Ludvig Runebergs hundraårsminne: festskrift den 5 februari 1904

Originalsida 100
Originalsida 100
Originalsida 100
Originalsida 101
100–101

Sida 100

Runeberg in Deutschland, af Wolrad Eigenbrodt

WOLRAD EIGENBRODT.

in Deutschland nur ein Mann begegnet sei, der Runeberg gekannt habe: der Rezitator und Schillerbiograph Palleske, Ich selbst, wiewohl schon in der schwedischen Sprache bewandert, lemte Runeberg erst bei meinem ersten Aufenthalt in Schweden kennen. Die Tochter des Hauses, in dem ich zu Gast war, sass eines Abends am Fenster und las aus einem grossen Buche halblaut vor sich hin: Gode vänner, män och kvinnor, finns här någon, som mig hör etc. Ich hatte sofort aufgehorcht. Der Reichtum der Vokale, die kraftige Form »Granadör», statt unserer deutschen »Grenadier», der eigentQmliche Rhythmus mit seinem herzlichen Tonfall zogen mich seltsam an. Ich trät heran, und wir låsen zusammen das ganze Gedicht, das mich auf das lebhafteste ergriff. Wiewohl die historischen Einzelheiten darin mir nicht verständlich waren, ftthlte ich mich doch wie electrisiert von dem Klang imd der tiefen vaterländischen Wärme dieser Strophen, Der Titel des Buches lautete: Fänrik Ståls sägner. Med teckningar af Malmström.

Bald hatte ich das ganze Werk gelesen, vielleicht mit demselben Eifer und Entzttcken, mit dem nach Rtmebergs hinreissender Darstellung der junge Dichter selbst dereinst jenes Heft vom finländischen Kriege las. Dann begann ich es in Ruhe grOndlich zu studieren, bis ich die ganze herrliche Dichttmg in allén ihren Einzelheiten innerlich mein eigen wusste.

Mit immer wachsender Teilnahme imd Bewunderung las und studierte ich darauf Runebergs sämtliche Werke. Seine literarischen Aufsätze regten mich an zu einem eingehenden Studium der ganzen Literatur in schwedischer Sprache. Bald bot sich mir Gelegenheit, die erworbene Kenntnis derselben zu verwerten. DerOppenheimsche Verlag in Berlin suchte ftlr seine Geschichte der Weltliteratur in Einzeldarstellungen einen Bearbeiter der skandinawischen Literaturen. Georg Brändes und nach ihm Hoffory lehnten ab, und auf den Vorschlag des letzteren Qbemahm ich die Arbeit. Ich begann mit der schwedischen Literatur. Aber nachdem ich mich durch die alte Zeit bis in die öden Strecken des 17. Jahrhunderts nicht ohne Mtlhsal hindurch gearbeitet hatte, schien es mir doch wichtiger, den grössten Dichter in schwedischer Sprache meinen Landsleuten zugänglich zu machen, als ein gelehrtes Buch Qber die

Källa: Internet Archive ·