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Johan Ludvig Runebergs hundraårsminne: festskrift den 5 februari 1904

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Der Dichter und sein Volk, af Rudolf Eucken

RUDOLF EUCKEN.

bauen, deren beglUckende Gegenwart dem Menschen eine sonst verschlossene seelische Tiefe eröfFnen und zu vollem Besitz bringen soUte. Auf diesem Wege ist eine wunderbare Verfeinerung iind Veredlung des Lebens gewonnen, die der ganzen Menschheit dauemd zum Segen gereicht. Aber das kQnstlerische Schaffen scheint hier seine volle Reinheit nicht wahren zu können ohne eine gewisse Absonderung vom allgemeinen Leben, ein geistiger Aristokratismus ist unverkennbar, die Kultur hat einen ausgesprochen literarischen Charakter, der eigentömliche Gefahren mit sich bringt. Ganz änders Runeberg. Auch bei ihm ist das Schaffen nicht mit instinktiver Notwendigkeit aus der Volksseele hervorgequoUen, wie ein solches Hervorquellen aus unbewussten Tiefen heute Uberhaupt stärker Skepsis begegnet; auch Runeberg ist durchaus Kimstdichter, er hat ausgebildete Oberzeugungen von dem Wesen imd der Aufgabe der Kunst, ja er hat eine eigentQmliche Weltanschauung, auf die das klassische Altertum, dem seine amtliche Tätigkeit gewidmet war, stark gewirkt hat; diese Weltanschauung beherrscht nicht nur seine wissenschaftlichen Abhandlungen, sie schimmert auch durch seine poetischen Schöpfungen deutlich hervor. Aber die innere Selbständigkeit und die Weite des Horizontes entfremden den Dichter nicht der Welt um ihn, seine Kunst bleibt immer mit ihr in Beziehung, allés gewonnene Vermögen wird dazu verwandt, ihre Ftille, ihren Zusammenhang, ihre charakteristische Art klarer sehen zu lassen. Denn das gilt hier als die Hauptaufgabe aller Kunst, die Wirklichkeit ihrem eignen Leben, ihrer eignen Wahrheit zuzufahren; nichts soU von draussen hinzugetan, nichts ktlnstlich aufgeputzt, aber es soll dasjenige voUständig und als Ganzes erfasst werden, wovon der alltägliche Eindruck lediglich einzelne Bruchsttlcke mitteilt. Bei energischer Festhaltung solcher Oberzeugung känn sich der engste seelische Zusammenhang des Dichters mit seiner Umgebung entwickeln; er känn zugleich ein treues Glied Seines Volkes sein und ihm ein verehrter FQhrer werden, indem er ihm sein eignes, sonst verschlossenes Wesen eröifnet und in der EröfFnung erhöht. Er bestätigt damit durch die Tat sein Wort, dass die wahre Poesie aus dem innersten Wesen der Nation entspringe.

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